Die Unendliche Geschichte der Rödelstraße

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – bei uns brennen dieses Jahr neben den Kerzen auch brisante Themen rund ums Radfahren. Wir öffnen jeden Tag ein Adventstürchen und lassen euch hinter die Kulissen verschiedener Projekte schauen.

 

Die Adventszeit eignet sich, um schaurige und verwunderliche Geschichten zu erzählen. Und so soll es hier nun um die Geschichte der Rödelstraße gehen, diesen kleinen Abschnitt im Leipziger Westen, die Radfahrenden die ihn kennen, meiden ihn – zu unsicher, und das nicht nur gefühlt, sondern ganz reell.


Im Laufe des Jahres wurden wir zweimal von einer Anwohnerin kontaktiert, die von mehreren Unfällen vor ihrer Haustür berichtete und sich berechtigerweise fragte, warum der Abschnitt nicht sicherer gestaltet wird. Sowohl für die Radfahrenden, die dort auf der Straße fahren, als auch für die Fußgänger, die auf dem schmalen Fußweg nicht auch noch mit Gehwegradlern konfrontiert werden möchten, denn der südliche Fußweg ist für den Radverkehr freigegeben.


Schaut man in diverse Verwaltungsunterlagen, die etwas mit Radverkehr in Leipzig zu tun haben, so findet man auch ab und an die Rödelstraße. Dort gäbe es gehäuft Unfälle, dort solle eine Lücke im Radwegenetz geschlossen werden. Im "Handlungskonzept zur Förderung des Radverkehrs in Leipzig" von 2002 steht die Rödelstraße als auf Platz 3 der "Streckenabschnitte nach Rangfolge der Unfalldichte" in Leipzig. Auf dem 300 Meter langen Abschnitt kam es zwischen 1997 und 1999 zu 10 Unfällen mit Radfahrenden. Gefährlicher war es da Ende der 1990er nur noch auf der Windmühlenstraße und der Grünewaldstraße. Als der Umsetzungsstand des "Handlungskonzepts zur Förderung des Radverkehrs (2002)" im Jahr 2010 untersucht wurde, so tauchte die Rödelstraße jedoch unter der Rubrik "nicht umgesetzt" auf. So verwundert es nicht, dass die Rödelstraße auch im "Radverkehrsentwicklungsplan 2010 – 2020" wieder benannt wird, unter Maßnahmen der "Neuanlage Radverkehrsanlagen/Lückenschluss" war 2008 vorgesehen, die Situation für Radfahrende sicherer zu gestalten, allerdings beschränkte man sich auf die Straßenbahnhaltestelle Rödelstraße, die an sich jedoch zur Könneritzstraße gehört.


Der ADFC wollte das Thema Rödelstraße also wieder einmal auf die Tagesordnung der Verkehrsplanung setzen. Ein Unterfangen, das sich als Unmöglichkeit entpuppte. Zwar hakten wir nach und verwiesen auf Unfälle, Sicherheit und der Grundsätzlichkeit des Wunsches nach dem Lückenschluss, aber das Thema tauchte weder in den Aufgabenlisten, noch in den Protokollen der AG Rad auf.* Ganz als hätte man nie darüber gesprochen. Und so scheut sich die Verwaltung auch weiterhin, für Sicherheit im Leipziger Westen zu sorgen. Man könne da doch keine Busspur mit "Rad frei" oder Radfahrstreifen einrichten, wo sollen denn dann die Autos hin, das ginge doch frühestens, wenn dort weniger Autoverkehr wäre. Dann, liebe Verwaltung, dann braucht es dort vermutlich auch keinen Radfahrstreifen mehr.

 

* Nachträgliche Korrektur: Das Thema Rödelstraße wurde Ende Juni einmal als zu überprüfende Radverkehrsführung unter "Sonstiges" erwähnt, in der zweiten Jahreshälfte jedoch nicht weiter thematisiert.

 

zuletzt aktualisiert: 04.01.2015 - 22:48
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