Fahrradklima in Westsachen nicht verbessert

Immer noch große Unzufriedenheit mit Fahrraddiebstahl, Winterdienst, Falschparkern und Baustellen – Schkeuditz, Taucha und Delitzsch in Auswertung dabei.
Fahrradfahren im Schnee

Leipzig konnte gegenüber 2014 gerade noch seinen Platz unter den TOP 10 verteidigen, muss den Titel „fahrradfreundlichste Großstadt im Osten Deutschlands“ allerdings an Rostock abtreten. Leipzig landete mit der Note 3,69 erneut auf dem 9. Platz, Rostock mit einer 3,67 auf Platz 8.

Leipzigs Stärken beim Radverkehr
Leipzigs Stärken beim Radverkehr liegen in der Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,1), der Möglichkeit zügig mit dem Rad voranzukommen (2,4) und der Öffnung der Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung (2,5).
Die leichte Verschlechterung in der Gesamtbewertung zeigt, dass sich die Anforderungen an die Infrastruktur erneut erhöht haben. In Leipzig hat damit trotz vieler positiver Einzelmaßnahmen seit dem letzten Fahrradklima-Test 2014 der Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur nicht mit der deutlich steigenden Nachfrage mithalten können. Der Radverkehr in Leipzig nimmt also im Moment nicht wegen, sondern trotz der städtischen Radverkehrsförderung zu.

Leipzigs Schwächen im Radverkehr
Leipzigs größte Schwächen liegen aus Sicht der Befragten im Bereich Fahrraddiebstahl (5,3), beim mangelnden Vorgehen gegen Falschparker auf Radwegen (5,0), beim weitestgehend fehlenden Winterdienst (4,8) und bei der Führung des
Radverkehrs an Baustellen (4,5).

Der Fahrradklima-Test 2016 gibt auch eine Stimmung wieder, die allen Akteuren in Politik und Verwaltung zu denken geben sollte: Der Themenkomplex Sicherheit des Radverkehrs in Leipzig wird im Mittel mit der Schulnote 4,1 bewertet, was gegenüber 2014 nochmals eine leichte Verschlechterung darstellt. Hier muss trotz aller Bemühungen der letzten Jahre mehr für die Verkehrssicherheit der Radfahrenden in Leipzig getan werden. In der Auswertung zusammengefasst wurden dabei Bewertungen zu Konflikten mit dem Kfz-Verkehr und Fußgängern, das Fahren im Mischverkehr und das allgemeine Sicherheitsgefühl.

In Leipzig sind viele Straßen zu eng, um den Straßenbahn- vom Radverkehr durchgehend zu trennen. Die Stadtverwaltung hat bisher noch nicht alle Potentiale zur Trennung von Rad- und Straßenbahnverkehr ausgenutzt. In noch zu vielen Fällen wird dem ruhenden Verkehr Priorität vor der Sicherheit der Radfahrenden und der Beschleunigung der Straßenbahn gegeben, bspw. in der Dresdner Straße.

Fahrradklima in Westsachsen
Von den westsächsischen Städten konnten sich erstmals Schkeuditz (4,2), Taucha (4,0) und Delitzsch (3,3) in der Auswertung platzieren. Leider war Merkleeberg aufgrund zu geringer Teilnehmerzahl nicht mehr in der Auswertung dabei. Am Beispiel von Delitzsch zeigt sich, dass Bemühungen von Politik und Verwaltung zur Förderung des Radverkehrs von den Radfahrenden wahrgenommen und honoriert werden. Auch wenn es an vielen Stellen noch hapert (bspw. Erreichbarkeit PEP Einkaufszentrum, Kopfsteinpflaster in der Altstadt), werden neuangelegte Straßenabschnitte inzwischen unter Berücksichtigung der Belange des Radverkehrs ausgebaut (Bitterfelder Straße). An diesen Beispielen könnten sich die mit Abstand schlechter bewerteten Städte Schkeuditz und Taucha durchaus orientieren um dem Radverkehr den Stellenwert zu geben, der ihm als abgas- und lärmfreier Verkehrsträger gebührt.

Christoph Waack

Der Beitrag wurde im aktuellen Reflektor (Herbst 2017) veröffentlicht.

zuletzt aktualisiert: 02.11.2017 - 1:39
Fahrradklima-Test, Radverkehrsförderung, Winterdienst

Disclaimer

Die im Seitenbereich "Blog" veröffentlichten Inhalte entsprechen nicht zwingend der Meinung des ADFC Leipzig e.V., vielmehr spiegeln sie die persönlichen Eindrücke und Gedanken einiger Aktiver des Vereins wieder.