Mehr Haltestellen für Leipzig

Im Entwurf der 2. Fortschreibung des Nahverkehrsplans sind weitere Haltestellen geplant. Warum noch mehr notwendig sind, soll in diesem Blogbeitrag dargelegt werden.
Vor der Handwerkskammer soll eine neue Haltestelle entstehen. Zunächst als Richtungshaltestelle (stadteinwärts) später als richtige Haltestelle. Die Haltestelle "Gerichtsweg" wird dann aufgegeben.

Die mittleren Haltestellenabstände der Leipziger Straßenbahnlinien reichen (Stand 2016) von 459m (Linie 12) bis 588m (Linie 11). Der wissenschaftlich erwiesene beste Haltestellenabstand im urbanen Gebiet liegt bei 300 bis 350m. Hintergrund ist, dass es ein Missverhältnis gibt zwischen der realen Zeit, die man benöigt, um die Haltestelle zu erreichen und der gefühlten Zeit. Je weiter der Weg ist, desto größer ist die Fehleinschätzung der benötigten Zeit. Wege die als zu weit empfunden werden, halten allerdings potentielle Fahrgäste von der Nutzung des ÖPNV ab.

reale Zeit               fühlen sich an wie

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Betrachten wir die Leipziger Straßenbahnlinien gibt es bei den Fahrgastzahlen 2016 große Unterschiede.

Fahrgaststärkste Linie ist die 15, gefolgt von den Linien 7 und 11. Die schwächsten Linien sind die 14, 2 und 12.

Da die Linien sehr unterschiedlich lang sind, ist eine Betrachtung nach Linienkilometer sinnvoll, damit eine direkte Vergleichbarkeit gegeben ist.

Hierbei ergibt sich ein anderes Bild. Fahrgastschwach bleiben die Linien 14 und 2. Die fahrgaststarken Linien sind nun aber nicht mehr automatisch die sehr langen Linien, sondern tendenziell die Linien, die die geringsten Haltestellenabstände haben. Je Kilometer transportierte die Linie 4 im Jahr 2016 täglich 2.342 Fahrgäste, die Linien 16, 12 und 15 ca. 100 Fahrgäste weniger. Die Linie 7 hat mit 1.933 Fahrgästen/Tag und Kilometer bei dieser Art des Vergleichs schon deutlich weniger Fahrgäste. Da sie aber sehr lang ist, summierte sich das im Laufe des Jahres 2016 auf fast 14 Mio. Fahrgäste.

Sortiert nach den mittleren Haltestellenabständen ergibt sich folgendes Bild.

Oft heißt es in der Diskussion, dass durch mehr Haltestellen nicht mehr Fahrgäste gewonnen werden, sondern sich die alten Fahrgäste nur auf die neuen Haltestellen verteilen würden. Es ist also von Interesse zu schauen, wie viele Fahrgäste steigen im mittel täglich je Haltestelle ein.

Unter den TOP 5 sind wieder die Linien 4, 15 und 12. Das sollte erstaunen, denn die 12 fährt weder zur Messe noch zum Stadion und zum Zoo kommt wegen seiner Lage nur ein Bruchteil der Gäste mit der Straßenbahn (es gibt nicht mal ein Kombiticket). Die hohe Anzahl Fahrgäste auf der 16 erklärt sich mit der Messe, dem alljährlichen mehrtägigem Schienenersatzverkehr und zudem ist sie bei Großveranstaltungen wichtige Zubringerin zum Sportforum und zur Innenstadt. Zudem fährt die 16 auf weiten Strecken allein. Die Linien 4, 7, 15 binden wie die 8 und 3 das Sportforum an. Dass es auf der 3 nur so wenige Einsteiger*innen/Haltestelle gibt, sollte zu denken geben, denn die 3 ist weitestgehend als Stadtbahn ausgebaut und fährt in weiten Teilen der Strecke allein.

Werden alle im Entwurf des Nahverkehrsplans vorgesehenen neuen Haltestellen eingerichtet, ändert sich der mittlere Haltestellenabstand wie folgt

Hierbei ist zu beachten, dass auf der Linie 12 die Haltestellen "Springerstraße" und Baaderstraße bereits eingerichtet sind und der neue mittlere Haltestellenabstand seit Mitte Oktober 393m beträgt.

Wenig verwunderlich wird sich auf den Linien 15 und 16 perspektivisch nicht mehr viel ändern. Diese sind als Stadtbahnlinien ausgebaut.

Anders sieht es bei den Linien aus, wo es noch relativ viele Chancen für eine Haltestellennachverdichtung gibt, weil viele Haltestellen noch nicht barrierefrei ausgebaut sind und somit auch in ihrer Lage noch "optimiert" werden können. So bestehen sowohl auf den Linien 1, 3, 7, 10/11 noch größere Chancen für neue Haltestellen.

Die größten Potentiale hat vermutlich die Linie 1. In Grünau hat diese nicht selten Abstände zwischen den Haltestellen von 700, teils sogar 850m, aber auch in der Antonienstraße gibt es eine Haltestelle, die seit längerem immer wieder diskutiert wird, es aber nicht in den Entwurf des Nahverkehrsplans geschafft hat. Am Sportbad an der Elster/Erich-Zeigner-Allee/Kantatenweg/Altranstädter Straße fehlt eine Haltestelle, denn bis zur Haltestelle Adler sind es ca. 350m Weg.

Zwischen den Haltestellen "Stuttgarter Allee" und "Schönauer/Ratzelstraße" beträgt der Haltestellenabstand gut 850m. Auf dem Weg zur Haltestelle darf man über riesige Parkplätze laufen. Wen wundert es da, dass da oft der kürzere Weg zum Auto genutzt wird und nicht zur Straßenbahn. Auf Höhe Berkaer Weg sollte daher eine Haltestelle eingerichtet werden.

Zwischen Stuttgarter Allee und Ratzelbogen beträgt der Haltestellenabstand ca. 800m. Auf Höhe Mannheimer Straße/Forchheimer Straße könnte eine Haltestelle eingerichtet werden. Der Trampelpfad von der Mannheimer Straße 2 und dem Studentenclub "Die Oase" zur Ratzelstraße müsste ggf. etwas attraktiver gemacht werden.

Zwischen Ratzelbogen und Krakauer Straße beträgt der Haltestellenabstand ca. 850m. Auf Höhe Aschaffenburger Straße könnte mit einer neuen Haltestelle der Abstand halbiert werden.

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zuletzt aktualisiert: 10.11.2018 - 20:18
Nahverkehrsplan, ÖPNV

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