Prognose und Realität

Im Jahr 2016 begann der Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) die 3. Fortschreibung des Nahverkehrsplans für die Region Leipzig. Im Folgenden wird die Entwicklung des SPNV in Leipzig und Umgebung betrachtet. von AJ
Eine S-Bahn im Citytunnel Leipzig (Station Wilmhelm-Leuschner-Platz)

Als man im Jahr 2006 den Nahverkehrsplan (NVP) für die Region Leipig begann zum zweiten Male fortzuschreiben, war das Land im Fiber der Fußball-WM, die 1. GroKo der Nachwendezeit regierte, Merkel hatte ihr erstes Jahr als Kanzlerin hinter sich, Roland Koch und Peer Steinbrück stutzten mit dem Koch-Steinbrück-Papier die Regionalisierungsmittel zur Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) zusammen.

In Leipzig buddelte sich Leonie unaufhörlich durch den Untergrund, überall sah man blaue Entwässerungsrohre, neue Straßenbahnen lösten ein paar alte Tatrawagen ab und überall gab es Baustellen. Infolge hatten die LVB nicht nur viele neue barrierefreie Haltestellen, sondern auch der Zustand der Gleise war auf einem ungewöhnlich guten Niveau. Man könnte sagen, es gab seit längerem mal wieder so eine Art Aufbruchsstimmung. Die Stadt Leipzig hatte seit kurzem sogar wieder offiziell mehr als 500.000 Einwohner*innen.

Schauen wir uns die täglichen Querschnittsbelegungen im Jahr 2006 für die S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalexpress-Züge im Großraum Leipzig an. Relativ hohe Fahrgastzahlen (> 2.000 Fahrgäste/Tag) gab es - mit Ausnahme der Relation Leipzig - Chemnitz - auf allen Strecken, die zukünftig Teil des S-Bahnnetzes werden sollten.

Für den Citytunnel sah man im Querschnitt eine tägliche Belastung von 25.000 Personenfahrten je Werktag in der Trendprognose und 30.000 Personenfahrten in der Zielprognose. Auf Seite 29/41 heißt es dazu:

"Die Werte der Zielprognose lassen sich nur dann erreichen, wenn die Rand-
bedingungen und das Umfeld für die „schwere Schiene“ (S-Bahn, RegionalExpress
und RegionalBahn) in der Region Leipzig gegenüber dem Status quo entscheidend
verbessert werden."

Hierzu sei angemerkt, dass bereits die 25.000 Personenfahrten im Citytunnel weit weniger als die Hälfte der Prognosezahl des Planfeststellungsverfahrens 1997/1998 entspricht. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Entwicklung der Fahrgastzahlen seit Inbetriebnahme des Citytunnels 2013

Im Entwurf des neuen Nahverkehrsplans (2016) finden sich Querschnittsbelegungen für das Jahr 2015. Hierbei wird deutlich, dass sich die Fahrgastzahlen gegenüber 2006 weitestgehend erhöht haben. Von der Prognosezahl des Nahverkehrsplans 2008 ist man aber noch weit entfernt. Aktuell liegt man bei knapp 80% Zielerreichung für den Citytunnel.

Neben deutlichen Steigerungen auf der Relation Leipzig - Halle, Leipzig-Connewitz - Markkleeberg (+ 2.600 Fahrgäste/Tag), Paunsdorf - Borsdorf (+ 2.300), Leipzig - Taucha (+1.700), fallen die Steigerungen zwischen Neue Messe und Delitzsch (+ 900), Taucha - Eilenburg (+ 1.000), Leutzsch -  Plagwitz (+ 1.400) noch mittelprächtig aus. Weiter entfernte Regionen wie Torgau (+ 600), Zeitz (+ 200), Wurzen - Oschatz (+500) weisen zumindest noch leichte Steigerungen auf. Auf anderen Strecken gibt es hingegen keine Steigerungen (Borna) bzw. sogar eine Verringerung der Fahrgastzahlen (Grimma).

Allgemein muss man allerdings feststellen, dass man von den Prognosewerten noch weit entfernt ist. Dazu mehr im zweiten Teil der kleinen Serie.

zuletzt aktualisiert: 17.01.2018 - 0:34
Nahverkehrsplan, ZVNL, Citytunnel

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