Pressemitteilung des ADFC zu Äußerungen des Automobilclubs

20 km/h sind kein Stau

ADFC Leipzig irritiert über Behauptungen des ADAC zum Radverkehrsentwicklungsplan / Plan soll den Radverkehr fördern / 20 km/h sind kein Stau.

Die Stellungnahme des Automobilclubs, über die gestern berichtet wurde, hat beim ADFC Leipzig Unverständnis ausgelöst. Die Seriosität der getätigten Aussagen ist zweifelhaft, da offensichtlich von falschen Grundannahmen ausgegangen wird.

Beispielsweise werden völlig veraltete und viel zu hohe Zahlen für den Kfz-Verkehr auf dem Promenadenring genannt. "Für den ADFC ist unerklärlich, warum der Automobilclub Angaben zum Pkw-Parken im Radverkehrsentwicklungsplan vermisst. Viel interessanter ist doch, warum das Fahrradparken so kurz kommt", wundert sich Alexander John, Vorsitzender des ADFC Leipzig. Für alle anderen Verkehrsarten gibt es außerdem entsprechende Konzepte, z.B. den Nahverkehrsplan.

Schlussendlich zeigt sich die vollkommene Absurdität der Argumentation des Automobilclubs darin, dass der Automobilclub anscheinend die Straßenverkehrsordnung (StVO) nicht als Regelung des Verkehrs anerkennt. Schließlich sieht diese vor, dass der Radverkehr nur in Ausnahmefällen auf separaten Wegen zu führen ist, was das Bundesverwaltungsgericht jüngst noch einmal bestätigte. Genau aus dem Grund, den der Automobilclub als Lanze der Argumentation vor sich her trägt: Die Sicherheit für alle zu erhöhen. Besonders an Kreuzungen führt die Trennung der Verkehrsteilnehmenden dazu, dass manche Unfälle erst geschehen können.

Den gleichen Fehler begeht der Automobilclub erneut, wenn er in seiner Argumentation zu den Fahrradstraßen gekonnt einen Teil der Straßenverkehrsordnung unter den Tisch fallen lässt. Fahrradstraßen einzurichten, ist Teil des Entwicklungsplanes, der den Radverkehr langfristig zu einer tragenden Säule des Personenverkehrs entwickeln soll. Genau diese Entwicklungsfähigkeit ignoriert der Automobilclub. Denn sie ist Bestandteil der StVO, wo es weiter heißt, dass Fahrradstraßen eingerichtet werden können, wenn zukünftig das Hauptverkehrsmittel dieser Straße das Fahrrad sein wird.

"Der Deutsche Städte- und Gemeindetag fordert seit Mitte der 1990er Jahre, die Regelgeschwindigkeit innerorts auf Tempo 30 zu verringern, also die Geschwindigkeit, die laut StVO bei Fahrradstraßen zulässig ist und bereits auf über 70 % der Leipziger Straßen gilt. Dies ist keine Einschränkung der Mobilität, sondern für einen sicheren Stadtverkehr angemessen", erläutert Alexander John.

Übrigens: Die Mehrheit der LeipzigerInnen (59%) hat kein Auto, aber mindestens ein Fahrrad (75 %), 40% aller Wege wurden zwar 2008 mit dem Auto zurück gelegt, die Tendenz ist aber fallend, auch weil knapp die Hälfte dieser Wege kürzer ist als fünf Kilometer und damit relativ teuer. Bei diesen Distanzen ist es egal, ob Auto oder Rad benutzt werden, die Reisezeit innerorts ist die gleiche.

Der ADFC ist enttäuscht, dass der Automobilclub erneut Partikularinteressen vertritt und nur vorgibt, sich um alle Verkehrsteilnehmenden zu kümmern. So kann ein konstruktiver Dialog zur Verbesserung des Verkehrsklimas und der -sicherheit in Leipzig schwerlich geführt werden!

Annika Schindelarz, Alexander John
Leipzig, 29. Dezember 2010.

29.12.2010 - 0:26

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