Radverkehr als System entwickeln

ADFC: Radverkehrsentwicklungsplan hat noch Schwächen

Der von der Stadt Leipzig entwickelte Entwurf zum Radverkehrsentwicklungsplan 2010-2020 wurde vom ADFC umfassend bearbeitet.

Dabei wird die prinzipielle Idee des Planes, die konzeptionelle Entwicklung des Radverkehrs, ausdrücklich begrüßt, genau wie das Leitbild, den Radverkehr als tragende Säule der Personenmobilität zu entwickeln. In insgesamt 23 Thesen und Forderungen nimmt der ADFC deshalb ausführlich Stellung.

Problematisch ist vor allem, dass die im Plan genannten Ziele und Beschlusspunkte nicht konkret und abrechenbar sind, obwohl dies von den PlanerInnen selbst angestrebt wurde. Zudem finden in der Begründung die elementaren Vorteile des Radfahrens wenig Platz. So werden die ökologischen Notwendigkeiten nicht bedacht, doch bilden sie die Grundlage einer jeden nachhaltigen Stadtplanung, sowohl in ökonomischer als auch ökologischer Sicht.

Neben kleinen formalen Mängeln wie nicht beachtete Richtlinien fällt auf, dass der Entwicklungsplan keine konkreten Handlungsgrundlagen benennt. „Ohne diese Grundlagen jedoch ist eine gesteuerte Entwicklung des Radverkehrs als System kaum umsetzbar", benennt Alexander John, Vorsitzender des ADFC Leipzig, die offensichtlichen Probleme.

Auch weiterhin tut sich die Stadtverwaltung schwer, den so genannten Mischverkehr als Regelfall anzustreben. „Durch die Trennung von Radfahrenden und Kfz-Verkehr erhöht sich die Unfallgefahr – frei nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn", warnt John. Stattdessen sollte die Sichtbarkeit des Radverkehrs besonders an Knotenpunkten erhöht werden, wozu eine Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn die einfachste und auch kostengünstigste Variante ist.

Schade ist darüber hinaus, dass auch mit dem neuen Plan kein flächendeckendes Netz für den Radverkehr geschaffen wird. Stattdessen werden direkte Verbindungen von Stadt- und Ortsteilen auf unbestimmte Zeit verschoben, immer mit dem Hinweis auf knappe finanzielle Mittel. Dass aber gerade die Steigerung des Radverkehrs diese entlastet, scheint in der Stadtverwaltung so noch nicht verstanden worden zu sein.

Letztlich jedoch ist schon die Umsetzung der kleinsten Maßnahme gefährdet, solange die Stadt keinen eigenständigen Haushaltstitel für den Radverkehr einrichtet. John erläutert: „Der Radverkehrsentwicklungsplan forciert 3 Mio. Euro jährlich für den Radverkehr, um Schritt für Schritt in eine nachhaltige Zukunft zu investieren."

Annika Schindelarz, Alexander John

Die ausführliche Stellungnahme zum Radverkehrsentwicklungsplan gibt es

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15.12.2010 - 0:35

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