Aufwertung Bahnhofsvorplatz

Ein Vorplatz für den Hauptbahnhof

Im Rahmen des Bürgerwettbewerbes "Ideen für den Stadtverkehr" hat der ADFC Leipzig 22 Beiträge erarbeitet. Der Wettbewerb richtete sich an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Leipzig, Organisationen, Firmen und Institutionen.

Von März bis Oktober 2012 wurden insgesamt 618 Ideen eingereicht. Sie sollen dem Runden Tisch „Stadtentwicklungsplan Verkehr und öffentlicher Raum“ als Anregungen für eine nachhaltige Verkehrsgestaltung dienen.
Dringenden Handlungsbedarf sieht der ADFC im Umfeld des Leipziger Hauptbahnhofs.

 

Der Hauptbahnhof heute

Wer heute den Hauptbahnhof verlässt, steht urplötzlich vor einer Stadtautobahn. Beim ebenerdigen Weg zur Straßenbahn sind vier und in die Innenstadt sogar sieben Fahrspuren zu queren. Damit verbunden sind lange und laute Wartezeiten. Mit über 100.000 Fahrgästen pro Tag bewältigen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) an der Haltestelle Hauptbahnhof auf engem Raum ihr höchstes Fahrgastaufkommen, das in den nächsten Jahren noch gesteigert werden soll. Bereits heute reicht in der Hauptverkehrszeit der Platz zum Warten nicht, weder an den Straßenbahngleisen, noch an den Fußgängerampeln. Oft halten mehrere Straßenbahnen hintereinander am selben Gleis, sodass die Fahrgäste gezwungen sind, auf engstem Raum nach ihrer Bahn zu hasten.
Für den Fuß- und Radverkehr ist die Situation nicht besser. Schmale Wege, unklare Beschilderung und hohes Verkehrsaufkommen erlauben kein zügiges und sicheres Vorankommen. Unübersehbar sind fehlende Parkmöglichkeiten für Fahrräder.
Städtebaulich ist der Bahnhofsvorplatz ein typisches Abbild der autogerechten Stadt, die heute an ihre Grenzen stößt.

 

 

Unser Vorschlag

Der ADFC Leipzig schlägt vor, den Bahnhofsvorplatz zum Mobilitätsknoten umzugestalten und zugleich den öffentlichen Raum aufzuwerten. Hierzu wird der Platz für den Kfz-Durchgangsverkehr gesperrt, einerseits um den Anforderungen einer leistungsfähigen ÖPNV-Schnittstelle gerecht zu werden und andererseits um einen städtebaulich attraktiven Zugang zur Innenstadt zu schaffen.
Der motorisierte Individualverkehr (MIV) kann mit Ausnahme des Anliegerverkehrs künftig über den ausgebauten nördlichen Tangentenbereich geführt werden. Dadurch werden vor dem Leipziger Bahnhof Flächen frei für den öffentlichen Nahverkehr (Bus, Straßenbahn, Taxi). CarSharing, Mitfahrgelegenheiten und Parken sind an beiden Bahnhofsseiten möglich.

Der bisherige Durchgangsverkehr am Hauptbahnhof - also der gesamte Kfz-Verkehr ohne Ziel am Hauptbahnhof bzw. im Stadtzentrum - wird erst durch die Unterbrechung der Fahrbahnen vor dem Hauptbahnhof tatsächlich auf die nordöstliche Tangentenecke (Gerberstr./Berliner Str./Brandenburger Str.) geführt. Der Bereich um die Brandenburger Brücke ist bereits jetzt der Schnittpunkt der Leipziger Bundesstraßen, eine Führung über den Bahnhofsvorplatz ist nicht erforderlich. Auch im südlichen Teil des Zentrums gibt es ausreichend Hauptverkehrs- und Entlastungsstraßen, die es dem Kfz-Verkehr ermöglichen, die Innenstadt zu umfahren. Wer beispielsweise mit dem Auto vom Waldplatz zum Johannisplatz möchte, hat keine Einschränkung durch die Sperrung am Hauptbahnhof, eher eine Gewohnheitsänderung. Lediglich die Strecken zwischen den Quartieren an Ost- und Westseite des Hauptbahnhofs werden für den Kfz-Verkehr länger. Für diese kurzen Wege werden dann öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad erste Wahl sein.


Und zu guter Letzt: Das autofreie Quartier auf dem ehemaligen Freiladebahnhof West ließe sich leichter und sinnvoller umsetzen. Diese Idee hat der Ökolöwe in den Ideenwettbewerb eingebracht.

Potentiale für die Gestaltung des öffentlichen Raumes

Die Kreuzungen an der Ost- und Westseite des Hauptbahnhofs können effektiver, kleiner und leistungsfähiger gestaltet werden. Profitieren würden davon auch Straßenbahn, Rad- und Fußverkehr. Die direkte Führung von der Brandenburger Straße auf den Georgiring würde den Bypassverkehr entlang der Querstraße ersetzen und diesen Straßenzug aufwerten. Mit begleitenden Maßnahmen könnte darüber hinaus die Kfz-Belastung der Innenstadt und am gesamten Promenadenring weiter reduziert werden. Hierdurch entstehen auch Entwicklungschancen für die angrenzenden Stadtquartiere.
Über den unmittelbaren Bahnhofsvorplatz hinaus, im gesamten Bereich zwischen Gerberstraße und Georgiring ergeben sich neue Gestaltungsmöglichkeiten für einen wieder erlebbaren Promenadenring. Sei es die Freifläche vor dem Hotel „Astoria“ oder die Grünanlage am Schwanenteich, die einen ganz anderen Stellenwert erhielte. Diese Beispiele lassen das enorme städtebauliche Potential der Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes erahnen. Wird der Bahnhofsvorplatz als Mobilitätsknoten (ohne Durchgangs-MIV) konzipiert, ergeben sich daraus zahlreiche Vorteile für alle fußläufigen Mobilitätsformen (Straßenbahn, Bus, Taxi, Rad).

 

 

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05.07.2014 - 22:31

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