Geplante Bahnbrücken im Heuweg

keine naturnahe Auenentwicklung möglich

BUND Leipzig, Ökolöwe und ADFC Leipzig lehnen die zu kleinen Bahnbrücken über Weiße Elster, Luppe und Nahle ab. Die derzeitige Planung schränkt eine ökologische Gewässer- und Auenentwicklung ein.

Hintergrund ist das Planfeststellungsverfahren zur Sanierung der Eisenbahnüberführungen im Leipziger Auwald.

Die neuen Bahnbrücken entlang des Heuweges sind nur für die jetzigen, kanalisierten Flussquerschnitte bemessen. „Hier wird der Natur überhaupt kein Raum gegeben", kritisieren BUND und Ökolöwe. „Pfeiler und enge Öffnungen lassen keine Reserven für eine naturnahe Entwicklung der Flüsse und langfristigen Hochwasserschutz. Vor allem die Nahle benötigt mehr Breite für die Ausleitung der „Lebendigen Luppe" und eine künftige Anhebung der Gewässersohle.

Auch die Wege-Infrastruktur unter den Brücken ist unzureichend. Über der Weißen Elster wird die neue Brückenunterkante 70 Zentimeter niedriger als derzeit und über dem Vorland sind es 45 Zentimeter weniger, ohne dass es dafür plausible Gründe gibt. Der ehemalige Parthe-Radweg wird dort nun als „Waldweg" deklariert, offenbar um der fehlenden Durchfahrtshöhe eine amtliche Begründung zu geben. An Nahle und Luppe fehlen zudem legale Zuwegungen zum Deponieberg.

Die Verbände fordern weitgehend stützenfreie und großzügige Brückenkonstruktionen, die den Flüssen, Uferbiotopen und Wegen genügend Freiraum lassen.

Sofern es bei den geplanten Balkenbrücken bleibt, sind zumindest eine höhere Lage sowie an der Nahle eine Erweiterung durch ein zusätzliches Brückenfeld notwendig.

Die Vorzugsvariante der DB Netz waren freitragende Stabbogenbrücken. Mit gleichen Hauptstützweiten von 60 m entsteht dabei ein harmonisches Bild. Durch die schlankere Fahrbahn gewinnt man lichte Höhe. Zudem entfallen Pfeiler in der Hochwasserabflussbahn und damit kritische Bauzustände mit Zusatzaufwendungen.

Dass auch die Stadt großzügig kann, zeigt sie mit ihren Entwürfen zum Saale-Elster-Kanal, die bei der Stadt-Umland-Konferenz am 7.11.2018 präsentiert wurden. Für die Lyoner Brücke am Lindenauer Hafen bekam die große Aufweitung mit freitragender Stabbogenbrücke(!) den meisten Beifall.

Ursächlich für die verfehlte Planung bei den Bahnbrücken ist nach Ansicht der Verbände das ambivalente Verhalten der Stadt Leipzig. Diese hat die ungünstigen und zudem teuren Pfeilerbrücken gewählt mit Verweis auf Denkmalschutz, obgleich die Brücken in ihrer Gestalt und Bauweise erheblich verändert werden und zusätzlich 4 Meter hohe Schutzzäune bekommen.

Während die städtischen Umweltämter (ASG und AfU) in ihren Stellungnahmen größere und pfeilerlose Brücken fordern, stimmt die Stadt Leipzig im Verfahren den geplanten Abmessungen grundsätzlich zu. Sie erhebt auch kein Aufweitungsverlangen, obwohl dabei entstehende Kosten förderfähig sind, wie andere Vorhaben zeigen. In der Folge sah sich auch die Vorhabenträgerin (DB Netz) nicht veranlasst, die Planung zu ändern.

Die Verbände appellieren an die Stadt Leipzig aber auch die DB Netz, die Chance für vorausschauende Brückenlösungen mit Freiräumen für Flüsse, Wege und vorausschauenden Hochwasserschutz nicht leichtfertig zu vergeben.

Stellungnahmen, Anschreiben und Antwort OBM:
https://www.adfc-leipzig.de/heuweg-3-neue-eisenbahnbr%C3%BCcken

15.11.2018 - 20:25

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