Netzplanung Radverkehr optimieren

Radverkehrsnetz für Alltag und Tourismus

Die SPD-Fraktion hat im Stadtrat angefragt, wann die für 2015 zugesagte Netzplanung zum Radverkehr in Leipzig vorliegt und wie dabei die Einbindung des SachsenNetzRad erfolgt.

Die Antwort der Verwaltung kann der ADFC Leipzig, der darin mehrfach erwähnt wird, nur teilweise bestätigen. Richtig ist, dass die gemeinsame Planung von ADFC und Stadtverwaltung zum Leipziger Radnetz weit fortgeschritten ist. Um allen Beteiligten eine möglichst anschauliche Abwägung und Fortschreibung zu ermöglichen, hat der ADFC umfangreiche webbasierte Kartengrundlagen erarbeitet. Die letzte Fassung ist vom Juli 2015. Obwohl noch etliche Details gemeinsam zu klären sind, hat der ADFC seitdem leider keine Rückmeldung erhalten.

Mit einem verbindlichen Radverkehrsnetz können Maßnahmen priorisiert und Fördermittel effektiv eingesetzt werden. Wie wichtig die Netzplanung auch für einzelne Baumaßnahmen ist, zeigt die geplante Brücke zur S-Bahn-Station MDR.
Dieses Vorhaben wurde mit uns im Zuge der Netzplanung nicht diskutiert. Dabei sind die möglichen Querbeziehungen für den Radverkehr äußerst interessant. Bei der vorgesehenen Errichtung direkt an der S-Bahn-Station dient die Brücke zum Beispiel ausschließlich als südlicher Ausgang zum MDR und zu den Tierkliniken. Wird die Brücke in Verlängerung der Steinstraße errichtet, hat sie eine wichtige Netzfunktion für den Radverkehr, denn dann könnten Radfahrende von der Südvorstadt direkt zur Alten Messe gelangen und gleichzeitig wäre die S-Bahn-Station MDR gut angebunden.

Eine wichtige Netzkategorie wurde bisher noch gar nicht untersucht: Radschnellwege über längere Distanzen, beispielsweise nach Markkleeberg oder Schkeuditz und Halle. Hier bieten sich weitgehend kreuzungsfreie Führungen entlang von Gewässern und (stillgelegten) Bahntrassen an. Andere Regionen in Deutschland sind da viel weiter.

Auch beim touristisch orientierten SachsenNetzRad gibt es Abweichungen in der Streckenführung, die mit den Ansprüchen an ein landesweites „Premiumnetz“ nicht vereinbar sind. Der ADFC drängt deshalb auf eine Überarbeitung in Abstimmung mit den angrenzenden Landkreisen.
Eine Streckenoptimierung ist jetzt sinnvoll, bevor das SachsenNetzRad, wie aktuell im ganzen Freistaat Sachsen geplant, neu beschildert und ausgebaut wird.

Es gilt, die Routen ins Leipziger Umland so anzupassen, dass man sich auf eine hohe radtouristische Qualität, unabhängig von der Witterung, verlassen kann. Gut ausgebaute und umwegarme Strecken abseits großer Straßen sind attraktiv: die Bahnradwege nach Lützen oder entlang der Mulde zwischen Grimma und Wurzen machen es vor. In Leipziger Parkanlagen und im Auwald würden solche Hauptrouten auch den Alltagsradverkehr bündeln und dadurch sensible Räume und Wege schonen. 

Mit der Optimierung des SachsenNetzRad kann eine hohe Sichtbarkeit des Radverkehrs im touristischen Bereich auch für die Stadt Leipzig erzielt werden. Das SachsenNetzRad dient jedoch nicht dazu, im Zickzack möglichst viele Sehenswürdigkeiten der Stadt abzufahren. Dafür sind lokale thematische Routen wie das NotenRad oder zahlreiche Tourenangebote verschiedener Reiseführer besser geeignet.

25.01.2016 - 16:30

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