bei gemeinsamer Fahrbahnnutzung

sharrows – Radmarkierungen

Im Rahmen des Bürgerwettbewerbs: "Ideen für den Stadtverkehr" hat der ADFC Leipzig e.V. 22 Beiträge erarbeitet und eingereicht.

Im Folgenden wollen wir den Beitrag "sharrows – Radmarkierungen bei gemeinsamer Fahrbahnnutzung" ausführlich vorstellen.

(Foto wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung
von Mia Birk http://www.miabirk.com)

Der ADFC Leipzig e.V. schlägt vor:
Einsatz von „Sharrows“-Markierungen auch in Leipzig.

Sharrows sind international bekannte, selbsterklärende Symbole. Der Begriff kommt von share-the-road-arrows, bezieht sich also auf Pfeilmarkierungen die signalisieren, dass sich mehrere Verkehrsteilnehmende – hier Kfz und Fahrräder – die Fahrbahn teilen.

Sharrows kommen dann zum Einsatz, wenn aus Platzgründen keine Radfahrstreifen oder Schutzstreifen möglich sind. Vor allem im Knotenbereich und neben Parkständen weisen sie auf erforderliche Seitenabstände hin.

Problembeschreibung

  1. Die Unwissenheit über rechtliche und örtliche Radverkehrsbedingungen führen oft zu gefährlichem Verhalten bei Radfahrern und Kfz-Fahrern. Radfahrer halten oft einen zu geringen seitlichen Sicherheitsabstand zu parkenden Autos, wie die 66 Türunfälle in Leipzig 2011 zeigen. Autofahrer unterschreiten oft die seitlichen und vorderen Sicherheitsabstände, hinzu kommen Verhaltensweisen wie Abdrängen oder provozierte Vollbremsungen.
  2. Autofahrer überholen oft bewusst risikoreich, indem sie hupen und/oder drängeln, wenn Fahrradfahrer vermeintlich „falsch“ auf „ihrer“ Straße fahren, ungeachtet dessen ob ein Radfahrer nicht doch berechtigt ist, die Fahrbahn zu nutzen und ungeachtet dessen dass Nötigung an sich nichts im Straßenverkehr verloren hat.
  3. Fahrradfahrer, die sich nicht intensiv mit der Rechtslage auseinandersetzen, fühlen sich verpflichtet „andere“ Radwege (also Wege die zwar wie Radwege aussehen aber nicht benutzungspflichtig sind) oder gar rechtswidrig Gehwege zu benutzen, obwohl diese oft weniger sicher als die Fahrbahn sind. Bequemlichkeit und subjektives Sicherheitsempfinden schreckt viele Radfahrer von einer Fahrbahnnutzung ab
  4. Furten die zu „anderen Radwege“ (also zu Wegen die nicht benutzungspflichtig sind) führen suggerieren Benutzungspflicht, obwohl dort keines der runden blauen Schilder mit Fahrrad vorhanden ist. Nur eine solche Kennzeichnung verpflichtet Radfahrer einen Radweg zu nutzen, nur mit diesem Schild handelt es sich um einen benutzungspflichtigen Radweg.

Lösungsvorschläge

Sehr gute Erfahrungen hat ein ADFC-Mitarbeiter in Seattle mit den dort verwendeten „Sharrows“ (share-the-road-arrows) gemacht. Gerade an Stellen, wo Benutzungspflichten für Radwege aufgehoben werden, wäre dies eine ideale Form der Öffentlichkeitsarbeit direkt auf der Straße.

Eingesetzt werden sollten sie stadtweit, und zwar

  1. dort, wo Radfahrstreifen oder Schutzstreifen aus Platzgründen nicht möglich sind und wo hohes Konfliktpotential im Mischverkehr besteht, z.B. im Knotenbereich sowie in Verbindung mit parkenden Autos.
  2. an Straßen mit Parkspur, die Autofahrer zum zu engem Überholen von Radfahrern bei Gegenverkehr verleiten (z.B. durch Mittenmarkierung, breite Fahrstreifen), was regelmäßig zum Unterschreiten des seitlichen Sicherheitsabstandes zu parkenden Autos durch Radfahrer führt. Der Radfahrer fühlt sich sehr schnell durch überholende Autos an den Rand gedrängt und setzt sich der Gefahr aus, in einen spontan geöffnete Autotür zu fahren.
  3. an durch Furten gekennzeichnete „andere“ Radwegen, und insbesondere mit freigegebenen Fußwegen, um die Wahlfreiheit für alle Verkehrsteilnehmer deutlich zu machen,

Etliche Vorher-Nachher-Studien aus verschiedenen Teilen der Welt belegen die Verringerung gefährlichen Verhaltens, sowohl der Radfahrer als auch der Kraftfahrzeugfahrer.

Was sind Sharrows

"Fahrbahnmarkierungen für gemeinsam genutzte Fahrstreifen auch bekannt als Sharrows Fahrbahnmarkierungen für gemeinsam genutzte Fahrstreifen [Anm.: Shared lane pavement markings] oder „Sharrows“ sind sorgsam platzierte Fahrradsymbole, die Radfahrer zur besten Fahrlinie leiten, Autotüren vermeidend, und Autofahrer an die gemeinsame Fahrbahnbenutzung erinnern. Anders als Radfahrstreifen, weisen Sharrows keinen bestimmten Teil der Straße zur exklusiven Benutzung durch Radfahrer aus. Sie sind einfach eine Markierung um Radfahrer zur besten Fahrlinie zu führen und helfen Kraftfahrern, Radfahrer zu erwarten und die Fahrbahn mit ihnen zu teilen."
(Übersetzung von http://www.seattle.gov/transportation/sharrows.htm)

 

Was bedeuten Sharrows für Kraftfahrer und Radfahrer?

Kraftfahrer:

  • Radfahrer sind auf der Straße zu erwarten
  • Erinnerung daran, Radfahrern 3 Fuß [Anm.: ca. 90cm] Abstand beim Überholen zu gewähren
  • Befolgung der Verkehrsregeln wie ohne Markierungen

Radfahrer:

  • Hilfsmittel, um die Fahrlinie innerhalb der Fahrspur zu bestimmen
  • Erinnerung, nicht zu dicht an parkenden Autos zu fahren
  • Befolgung der Verkehrsregeln wie ohne Markierungen

 

Möglicher Einsatzort für sharrows in Leipzig: Dresdner Straße - Zufahrt zum Johannis-Platz. Bei linksseitigem Aufstellen der PKW können Radfahrer den verfügbaren Platz besser zum Vorbei- und Anfahren nutzen. Gegenseitige Rücksichtnahme und subjektives Sicherheitsempfinden für Radfahrer steigen. Zudem werden die Räumzeit des Knotens und die  Fehlnutzung des Gehweges reduziert.

Der gesamte Beitrag kann hier als PDF heruntergeladen werden.

15.01.2013 - 22:17

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