Fahrradgate Sachsen

Thema „Fahrraddiebstahl" endlich ernst nehmen

Mit 1.700 gestohlenen Rädern pro 100.000 Einwohner ist Leipzig die deutsche Hauptstadt des Fahrraddiebstahls. Sächsische Polizist*innen sollen mehr als 1.000 gestohlene Fahrräder intern weiterverkauft haben. Lesen Sie zu diesem Skandal einen Kommentar von Robert Strehler.

„Es wird Zeit...

... das Thema „Fahrraddiebstahl" endlich ernst zu nehmen. Nach den sehr unerfreulichen Ermittlungsergebnissen durch die Leipziger Polizei gibt es zu dem Thema Fahrraddiebstahl wohl keine zwei Seiten der Medaille mehr. Die Stadt Leipzig und die Polizei sollten nun ein Umdenken im größeren Stil anstreben. Es kann nicht sein, dass die Stadt in puncto Diebstahlhäufigkeiten von Fahrrädern die führende Rolle in Deutschland einnimmt und keine effektiven Maßnahmen ergriffen werden, um diesen sehr unschönen Titel wieder abzugeben. In einigen Statistiken sind wir sogar bundesweit die negative Spitze. Wir wollen eine fahrradfreundliche Stadt sein und kümmern uns gleichzeitig nicht um den Besitzerhalt der Radfahrenden - ein Paradoxon. Hier muss nun endlich dringend ein neuer Ansatz her. Zuallererst fordern wir. der ADFC Leipzig e.V., eine offene Kommunikation und Aufklärung des aktuellen Skandals. Dass die Leipziger Polizei den Betrug aufgedeckte und in eigener Sache ermittelt, ist immerhin ein guter Anfang. Wir distanzieren uns auch von einer pauschalisierten Aussage bzgl. schlechter Polizeiarbeit. Das soll nicht der Tenor unseres Hilfeschreis sein. Aber es muss sich ab sofort etwas ändern, damit das Thema Fahrraddiebstahl endlich angegangen wird.

Das Handwerkszeug ist zum Teil schon verfügbar. Die tolle Arbeit des Bürgervereins LE, die seit Jahren über 100.000 Fahrräder registriert hat, ist am Ende nur dann wertvoll, wenn die entsprechenden Datenbanken auch offen zur Verfügung stehen. Was nützt es einem Polizisten außerhalb Leipzigs, wenn er ein potenziell gestohlenes Rad findet, es aber keinem Besitzer zuordnen kann? Hier sollten Stadt und Polizei endlich darüber nachdenken, diese Themen eventuell sogar auszulagern und digitalisierte Möglichkeiten und Projekte auszuschreiben.
Viele Fragen könnte man in Zukunft anders als bisher beantworten. Zum Beispiel: Was passiert mit gefundenen Rädern? Wie wird über die Funde kommuniziert? Was passiert mit den Daten von registrierten Rädern? Ist die Herangehensweise noch zeitgemäß? Sollten sich Institutionen aus dem Fahrradsektor an der Rückführung und Kommunikation der gestohlenen Räder beteiligen? Vielleicht gibt die Polizei diesen Part in Zukunft komplett ab und öffnet sich so einer möglichen Unterstützung durch die Bürger*innen der Stadt.


Darüber hinaus sollte sich die Stadt weiteren Fragen stellen: Was passiert bei Neubauten in der Stadt? Wo sind die versprochenen Fahrradparkhäuser am Bahnhof? Wie soll dies in Zukunft in Bauprojekte integriert werden? Es fehlt einfach der Mut und schlussendlich auch die nötige Konsequenz. Der Leipziger Bügel allein reicht leider nicht, um das Fahrrad zu schützen. Es ist ein Konflikt, der uns alle betrifft. Vielleicht sollten wir dann auch gemeinsam den Kampf gegen Fahrraddiebstahl aufnehmen. Ein guter Zeitpunkt wäre: Jetzt."

Robert Strehler, Vorsitzender ADFC Leipzig e. V.

17.06.2020 - 10:56

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