Mittwoch, 16. Oktober 2019 - 9:58

Ring frei für den Radverkehr – für sichere Verkehrsanlagen in Leipzig

ADFC ruft auf zur Fahrraddemo am 29. Oktober in der inneren Jahnallee und um den Promenadenring

Foto: Gelunges Beispiel für „shared space": Die Schlösserstraße in Erfurt

Fotocredit: ADFC Leipzig

Leipzig, 16.10.2019. Vor genau einem Jahr gab das Oberlandesgericht dem ADFC Leipzig Recht in einer Klage gegen das Radfahrverbot am Promenadenring. Eine konkrete Umsetzung der gerichtlichen Anordnungen lässt jedoch noch auf sich warten. Ebenso steht eine Änderung der Verkehrssituation in der inneren Jahnallee noch aus, für die der Stadtrat im Frühjahr 2018 den Beschluss gefasst hatte, die Situation für Radfahrer zu entschärfen.

Der ADFC möchte in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen seinen Forderungen nochmals Nachdruck verleihen, hier möglichst bald sichere Radverkehrsanlagen zu bauen. Ohne Mut zu tiefergreifenden Veränderungen können die Stadtverwaltung und die Landesstraßenverkehrsbehörde die Verkehrssicherheit an Unfallschwerpunkten nicht wesentlich verbessern.

Das angeordnete Parkverbot und die Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 in der inneren Jahnallee reichen leider nicht aus. Viele KfZ-Fahrer halten das Tempolimit nicht ein und besonders abends, aber auch tagsüber wird das Halteverbot oft ignoriert. Für Radfahrende ist die Situation also immernoch brenzlig. Ab 10 Jahren dürfen Kinder nicht mehr auf dem Gehweg Rad fahren. Wer aber lässt sein 12-jähriges Kind hier gerne fahren? Die neue Ampelschaltung, die bald weniger motorisierten Individualverkehr durch die Jahnallee führen soll, ist da ein weiterer positiver Schritt, aber wir erwarten noch mehr:

Die Bürgerbeteiligung „Jahnallee" hat neue Möglichkeiten aufgezeigt, die Jahnallee umzugestalten. Zum Beispiel kann eine neue oder verlegte Haltestelle an der Kreuzung Jahnallee/Lessingstraße die Situation für Fahrgäste der Straßenbahn deutlich verbessern. Autofahrer, die vor Ort keinen Parkplatz mehr finden - durch Anwohnerparken im Waldstraßenviertel und durch das Halteverbot in der Jahnallee - könnten weiter weg parken und dann per Straßenbahn in die Jahnallee fahren.

Die innere Jahnallee könnte eine sehr attraktive Einkaufsmeile sein, wäre da nicht so viel Durchgangsverkehr. Die Schlösserstraße in Erfurt ist ein gelungenes Beispiel für einen so genannten „shared space", wo sowohl Lieferverkehr, Straßenbahn, Rad- und Fußverkehr leise und sicher einen Platz finden, direkt neben Läden und Gaststätten mit Freisitzen. Die Gleise liegen hier flach integriert im Straßenpflaster, so dass stolpern für Fußgänger ausgeschlossen ist. Uns schwebt eine derartige Lösung sowohl für den Bahnhofsvorplatz vor, als auch für die innere Jahnallee. Der Promenadenring kann durchaus teilweise für Durchgangsverkehr freigegeben bleiben, aber die Innenstadt sollte nicht mehr von allen Seiten eingeengt sein durch eine Art Stadtautobahn.

Neben Argumenten der Verkehrssicherheit und Lebensqualität spielen hier auch Faktoren wie Grenzwerte für Lärm und Luftschadstoffe eine wichtige Rolle. Alle Indizien weisen darauf hin, dass wir genau an diesen Stellen Handlungsbedarf haben. Dabei wollen wir dem Argument zuvorkommen, dass der Verkehr sich nur verlagert und es anderswo mehr Staus geben wird, wenn ein Teil des Promenadenrings autofrei wird. Menschen können durch veränderte Verkehrsregelungen auch ihr Verhalten umstellen, also sich statt per Auto sogar zu Fuß bewegen. Wo es angenehm ist zu gehen oder zu Rad zu fahren, verzichtet man eher auf eine PKW-Fahrt als an einer 4-spurigen Straße, wo man als Fußgänger oder Radfahrer an drei Ampeln warten muss und im Abgasqualm steht.

Aus diiesen Gründen rufen wir als ADFC auf zur Teilnahme an einer Fahrraddemonstration am 29. Oktober ab 16.30 Uhr. Versammlungsort ist die Willmar-Schwabe-Straße/Ecke Jahnallee vor dem Hauptgebäude der AOK plus. Parallel zur Demonstration findet in der inneren Jahnallee eine Kundgebung statt für mehr Verkehrssicherheit für die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Dabei wird nochmal eine abgetrennte Radspur („protected Bikelane") an der Jahnallee stadtauswärts vorgeführt. Senioren, Kinder, Fußgänger und Radfahrer sollten ihr Leben nicht mehr riskieren müssen an dieser Stelle und nirgendwo anders. Der Promenadenring und die Jahnallee sind exemplarisch für die Verkehrssituation in Leipzig im allgemeinen. Wir brauchen sichere, zügige und bequeme Wege für Fuß- und Radverkehr.

Ansprechpartner*in Rosalie Kreuijer: rosalie.kreuijer@adfc-leipzig.de

Volker Holzendorf: volker.holzendorf@adfc-leipzig.de

Gelunges Beispiel für „shared space“: Die Schlösserstraße in Erfurt (c)  ADFC Leipzig

Anhang

pm_20191016_ring_frei.pdf (60.59 KB)